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Die Krone an jüdischen Grabsteinen

Hier eine Detailaufnahme an einem jüdischen Grabstein
Die Krone steht für Ruhm, Ehre und Freude

Hier eine Detailaufnahme an einem jüdischen Grabstein
Die Krone steht für Ruhm, Ehre und Freude

Auf vielen jüdischen Friedhöfen findet man an Grabsteinen Kronen in den verschiedensten Formen. In vielen Fällen werden sie wie ein Wappen von zwei Löwen hochgehalten. Erwähnung finden die Kronen bereits in der Bibel, z.B. bei Hiob 19,9 „…und die Krone von meinem Haupt genommen…“ oder im Psalm 103,4 „…der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit…“. Die Krone ist damit eines der ältesten Symbole überhaupt. Im übertragenen Sinn bedeutet die Krone etwas, das ziert und Würde verleiht. Biblisch steht die Krone für Ruhm, Ehre und Freude.

(Betende) Hände

Sie gibt es in vielfältiger Weise
Detailansicht der betenden Hände
Betende Hände am jüdischen Grabstein

Sie gibt es in vielfältiger Weise
Detailansicht der betenden Hände
Betende Hände am jüdischen Grabstein

An vielen Grabsteinen sind zwei Hände zu sehen, die sich mit den Daumen berühren, der kleine Finger und der Ringfinger sind an beiden Händen zusammen und von den anderen Fingern abgespreizt. Bei diesem Symbol handelt es sich um die segnenden Hände von Männern aus dem Geschlechte Aaron. Aaron und seine Söhne werden im 2. Buch Mose, Kapitel 28 und 29 zu Priestern geweiht. Im 4. Buch Mose (Numeri), Kapitel 6, Vers 24-27 steht, wie diese Hände das Volk Israel segnen sollen. „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Dieser Segen wird im täglichen Morgengottesdienst rezitiert. An Freitagen wird der Priestersegen von den anwesenden Angehörigen des Stammes Aaron, den Kohanim (=Priester) erteilt. Dazu treten sie auf das Podest vor dem Toraschrein, lassen sich von den Leviten die Hände waschen und sprechen gemeinsam dem Segensspruch. Dabei bedecken sich die Kohanim vollständig mit dem Tallit, um nicht abgelenkt zu werden. Unter dem Gebetsmantel werden die Hände mit gespreizten Fingern der Gemeinde entgegengestreckt. Die Hände zeigen also, dass hier ein Kohen, ein Nachfahre der Tempelpriester begraben ist.

Kanne und Schüssel

Ein jüdischer Grabstein mit einer Kanne

Ein jüdischer Grabstein mit einer Kanne

Öfter abgebildet an jüdischen Grabsteinen findet man Kännchen und manchmal auch eine Schüssel dazu. Je nach Zeit und Kunst des Bildhauers haben sie unterschiedliche Formen. Die Kanne und die Schüssel sind Symbole für die Nachkommen aus dem Stamm Levi. Die Leviten sind die Tempeldiener und waschen unter anderem auch den Priestern vor dem Segen die Hände. Dazu gießen sie aus dem Kännchen das Wasser über die Hände in die darunter stehende Schüssel. Im 2. Buch Mose, Kapitel 28 und 29, bestimmte Gott Aaron und seine Nachkommen zu Priestern und die Nachkommen Levi im 4. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 5 zum Tempeldienst. Auf den Grabsteinen kann man somit sehen, dass es sich bei dem Bestatteten um einen Nachkommen aus dem Stamm Levi handelt.

Fackel an jüdischen Grabsteinen

An manchen Grabsteinen kann man eine oder zwei gesenkte Fackeln sehen. Fackeln als Gegenstände und Symbole haben eine lange Tradition. Stehen sie ganz allgemein in der Antike als Attribute für die Liebesgöttin Venus und Amor, ist die gesenkte Fackel immer ein Zeichen und Symbol für den Tod. Als Vernichtungswerkzeug findet man die Fackel an mehreren Stellen in der Bibel, z.B. Richter 15,4 insbesondere zur Zerstörung von Lagern und Stätten. Fackeln sind ein Bild für große Not, Tod und Zerstörung (Sach. 12,6; Dan. 10,6)

Messer (und Klemme) an jüdischen Grabsteinen

Auf den beiden Friedhöfen Bayreuth und Ermreuth kann man Messer auf den Grabsteinen abgebildet sehen. Sie haben keine Spitze, sind rund und haben beiderseits Schneiden. Verwendet werden sie zur Beschneidung der jüdischen Knaben am 8. Tag nach der Geburt. Nach dem 1. Buch Mose, Kapitel 17, Vers 9-12 und verschiedenen anderen Stellen steht die Beschneidung (Brismilo) als Zeichen für den Bund Gottes mit dem Volk Israel und wird als feierlicher Akt begangen. Vorgenommen wird die Beschneidung vom Mohel (Beschneider), der Tag der Beschneidung ist auch der Tag der Namensgebung.

Uhren an jüdischen Grabsteinen

Am Friedhof in Walsdorf findet man ein einigen Grabsteinen Uhren. Die Zeiger stehen auf verschiedenen Zeiten, möglicherweise zeigen die Zeiger der Uhr die Todeszeit des Bestatteten. Dies wirkt zunächst einmal eigenartig und fremd, es sich um mechanische Uhren mit Zeigern und Zifferblatt handelt und ich mechanische Uhren auf christlichen Grabsteinen noch nie gesehen habe. Wenn man aber vom alten Symbol der Uhr als Zeitmesser ausgeht, insbesondere der Lebenszeit, die bei jedem Menschen einmal abläuft, passt die Uhr als Symbol sehr gut zu einer Grabstätte. Die Uhr versinnbildlicht die unaufhaltsam verrinnende Zeit und zeigt die Vergänglichkeit allen irdischen Lebens. Auf verschiedenen Friedhöfen findet man auch Sanduhren, einmal mit zwei Flügeln und einmal zusätzlich mit zwei gesenkten Fackeln.

Sechseckstern (Davidsstern)

Der Davidstern ist auf Grabsteinen, die nach 1945 gesetzt wurden, üblich.

Der Davidstern ist auf Grabsteinen, die nach 1945 gesetzt wurden, üblich.

Den Sechseckstern, auch als Davidsstern, Magen Davids, Großsiegel Salomons, Schild Davids oder Hexagramm bekannt, findet man nahezu auf allen jüdischen Friedhöfen. Allerdings nicht an den ganz alten Steinen, sondern erst auf Steinen nach 1920 und besonders häufig auf Steinen nach 1945. Der Sechseckstern ist in den Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum als Symbol bekannt und diente im Mittelalter ganz allgemein als Talisman zur Abwehr böser Mächte. Der Sechseckstern besteht aus zwei ineinandergesteckten, gleichseitigen Dreiecken. Als Ursymbole stehet das Dreieck mit der Spitze nach oben für die männliche Zeugungskraft, das Dreieck mit der Spitze nach unten für das Weibliche in der Welt, den gebärenden Schoß. Eine rein jüdische Erklärung nach symbolisiert die Mitte des Davidstern den Sabbat und die umgebenden Spitzen die sechs Arbeitstage. Der Davidstern ist ein Glaubenssymbol des Judentums und seit 1948 nationales Emblem des Staates Israel.

Nicht zu verwechseln mit dem Sechseckstern ist der Brauerstern. Optisch gleichen sich die beiden, jedoch hat der Brauerstern nichts mit dem Judentum zu tun.

Der Schofar

Der Schofar an einem jüdischen Grabstein
Er zeigt, daß hier ein Schofarbläser bestattet wurde.
Detailansicht der Schofar

Der Schofar an einem jüdischen Grabstein
Er zeigt, daß hier ein Schofarbläser bestattet wurde.
Detailansicht der Schofar

Der Schofar, auch Schaufor, sophar oder shofar geschrieben, ist ein aus Horn gemachtes Blasinstrument. Hauptsächlich wird der Schofar aus dem Horn eines Widders oder Kudu (eine Antilopenart) gemacht, es eignen sich aber prinzipiell alle tierischen Hörner, solange das Tier koscher war. Eine Ausnahme stellt das Horn des Rindes dar, daß wegen der Symbolik des goldenen Kalbes nicht verwendet wird. Kudu und Widder waren ursprünglich auch in Kanaan beheimatet, kommen heute aber nur noch in Südafrika in nennenswerten Beständen vor.

Nach Deutung des ersten großen jüdischen Schriftstellers Gaon Saadja (892-942) erinnert das Schofarblasen an die Schöpfung der Welt, die Pflicht zur Buße, die Offenbarung am Sinai, die Worte der Propheten, die Zerstörung des Jerusalemer Tempels, Abrahams Gehorsam, den Klang der Kriegstrompeten, das Weltgericht der messianischen Zeit, Israels Erlösung und die Auferstehung der Toten. Durch das Blasen der Schofar soll auch aus einer gedankenlosen Lebensweise aufgerüttelt werden. Noch heute hat das Schofarblasen seinen festen Platz im Synagogendienst an den beiden jüdischen Neujahrstagen und während des ihnen vorangehenden Monats Elul sowie als Erinnerung an den Beginn des Halljahres am Ausgang des Versöhnungstages Jom Kippur. Ist auf einem jüdischen Grabstein solch ein Horn abgebildet, weiß man, dass hier ein Schofarbläser begraben liegt.

Baum

An einigen Grabsteinen findet man Bäume als Symbole. Am Stein ist der Stamm mit den Wurzeln und die Baumkrone darüber aufsitzend auf der Steinplatte. Der Baum stellt als Symbol den Lebensbaum dar, den man in der Mythologie vieler Völker findet (in der nordischen Mythologie z. B. heißt er Yggrasil). Seine Gestalt mit den in der Erde verhaftenden Wurzeln und der dem Himmel zugeordneten Krone kann zum Symbol für die Verbindung von Erde und Himmel werden. In der Schöpfungsgeschichte ist von zwei Bäumen berichtet: „und Gott, der Herr, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume aufspießen, lieblich zum Anschauen und gut zur Nahrung, den Lebensbaum aber mitten im Garten und auch den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.“ (Genesis 2,9)

Der Sage nach wuchs der Baum des Lebens aus dem Grab Adams. Der Baum der Erbsünde ist nach der jüdischen Lehre als Weinstock, nach der griechischen Kirche als Feigenbaum und nach der römischen Lehre als Apfelbaum darzustellen.

Ölbaum (Olivenbaum)

In der Bibel bringt eine Taube einen Zweig eines Olivenbaumes im Schnabel zur Arche Noah nach der Sinnflut als Zeichen, dass die Erde wieder bewohnbar ist. Der Ölzweig, besonders im Schnabel einer Taube, steht als Symbol für Frieden und Versöhnung. Als Symbole in der Bibel werden Ölzweige als Sinnbilder für Segen, Gnade, Weisheit und Gottvertrauen genannt.

Lorbeer

Der Lorbeer steht als immergrüne Pflanze als Symbol für Unsterblichkeit, für Sieg, Ruhm, Ehre und Frieden. Als immergrüner Baum ist er auch in der Paradiesdarstellung zu sehen.

Akanthus

Akanthus ist eine distelartige Pflanze mit ausgezackten, stiellosen Blättern, die in der griechischen Kunst seit dem 5. Jahrhundert vor Christus in ornamentaler Verwendung nachgebildet wurde, besonders an korinthischen Kapitellen und Grabstelen. Als ein Symbol für die Unsterblichkeit und vielleicht auch als Machtsymbol wird es seit jeher verwendet. Eine andere Erklärung könnte dahingehen, daß eine schwierige Aufgabe gelöst wurde. Symbolisch erklärt wird dies mit den Stacheln. Meist dient es aber wohl nur der dekorativen Ausgestaltung breiterer Flächen.

Efeu

Als immergrüne Planze ist der Efeu Sinnbild des ewigen Lebens. Durch die stets innige Verbindung und das Anschmiegen mit dem Träger ist der Efeu auch Symbol und Sinnbild für Treue und Freundschaft. Verwendung findet der Efeu auch öfter als Kranz oder raumschmückender Schmuck.

Weinstock

Als Symbol des Lebens gilt seit langer Zeit der Weinstock, Rebstock oder die Weintraube. Der Weinstock ist ein heiliger Strauch mit vielfältiger symbolischer Bedeutung und galt als Sinnbild des Volkes Israel und als Baum des Messias; auch der Messias selbst wurde bereits im Alten Testament mit einem Weinstock verglichen. Das ausgewählte Volk Israel wurde mehrfach mit einem von Gott gepflanzen Weinberg verglichen, so auch in Jesaja 5, 1-7 (Weinbergleichnis). Der Herr verglich sein Volk mit einem Weinstock und sein Land mit einem Weinberg. Öl, Wein und Brot waren in biblischer Zeit die Hauptnahrungsmittel. Der Wein wird als Gottesgabe gerühmt und gehört als Trankopfer zu jedem Brandopfer.

Eiche, Eichenlaub und Eicheln

Als dekorativen Schmuck findet man an vielen jüdischen Grabsteinen Eichenlaub und Eicheln. In der Bibel werden Eichen öfters erwähnt. Unter ihnen wurden manchmal Tote begraben und Götzenopfer dargebracht, sie war wie bei den Germanen ein geachteter und heiliger Baum. Das harte Holz der Eiche, das als nahezu unverwüstlich und unverweslich galt, gab der Eiche das Sinnbild für Kraft, Stärke und des ewigen Lebens.

Palme, Palmzweige und Palmwedel

Als immergrüne Blätter der Plame sind die Sinnbild für das ewige Leben und die Auferstehung, ferner ist die Palme weitverbreitetes Symbol für Sieg, Freude und Frieden. Dies erklärt die Häufigkeit von Palmen oder Palmwedeln auf jüdischen Grabsteinen.

Kranz und Kreis

Auf vielen Grabsteinen findet man Kränze oder Kreise und Ringe aus verschiedenen Pflanzen, in dessen Mitte oft ein Symbol oder eine Inschrift ist. Im 2. Buch Mose 25,11 war für die Anfertigung der Bundeslade vorgeschrieben: "Mache einen goldenen Kranz oben umher". Ein solcher Kranz war auch für deb Schaubrottisch und den Rauchopferaltar vorgesehen (vgl. 2. Buch Mose, 30,3). Die Bibel spricht von den Kränzen der Ehre, der Freude und des Sieges. Er entspricht dem gleichen Sinn wie die Krone. Der Kreis wie der Kranz führt in sich selbst zurück und ist daher ein Symbol der Einheit und Vollkommenheit. Bei den nordischen Völkern findet man dies auch als Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt.

Das Laubhüttenfest

Ein Fest der Pflanzen und Früchte wird in der Bibel geboten (3. Buch Mose (Leviticus), 23, 29-43): "...wenn ihr die Früchte des Landes einbringt, sollt ihr ein Fest des Herrn halten sieben Tage lang... Ihr sollt am ersten Tage Früchte [Etrog = Paradiesapfel, Zitrusfrucht] nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige von Laubbäumen [meist Myrthenzweige] und Bachweiden und sieben Tage fröhlich sein... sollt ihr in Laubhütten wohnen, daß euere Nachkommen wissen, wie ich die Kinder Israels habe in Laubhütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägypten führte." Diese Zweige werden zu einem Feststrauß kunstvoll zusammengebunden und sind das Symbol für die Laubhütte. Der Etrog kommt oft in ein wertvolles Gefäß.



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