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Jüdische Friedhöfe in Franken

Jüdische Friedhöfe, die oft „Haus der Gräber“, „Haus der Ewigkeit“, „heilige Stätte“, „Haus des Lebens“, oder „Guter Ort“ genannt werden, dienen, wie jeder andere Friedhof auch, zur würdevollen Bestattung der Verstorbenen. Dennoch gibt es auf jüdischen Friedhöfen einige Besonderheiten, die man auf christlichen Friedhöfen nicht findet.

In Franken gab und gibt es seit langer Zeit ein fest verwurzeltes jüdisches Leben. Das Judentum in Franken ist untrennbar mit der Geschichte der Region verwurzelt. Dies wird jedem Interessierten im Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld eindrucksvoll gezeigt. Somit sind auch die zahlreichen jüdischen Friedhöfe in Franken ein fester Bestandteil fränkischer Kultur. Nach der Aufstellung von Diamant 1982 liegen von den damals genannten 134 jüdischen Friedhöfen in Bayern 19 jüdische Friedhöfe in Oberfranken.

Geschichte der jüdischen Friedhöfe allgemein

Der sehenswerte jüdische Friedhof in Prag mit dem Grabmal des Rabbi Löw
Der sehenswerte jüdische Friedhof in Prag mit dem Grabmal des Rabbi Löw

Im Mittelalter war es üblich, dass alle Friedhöfe, egal welcher Religion, außerhalb der Stadt angelegt wurden. Man war der Ansicht, dass sich innerhalb der Stadtmauern keine Lebenden mit Toten aufhalten dürften. Die Lage der Friedhöfe ist sehr verschieden. Es stand ganz im Ermessen der Landesherren, welche Grundstücke sie zur Verfügung stellten. So finden wir Ruhestätten an den christlichen Friedhöfen, in schönen Lagen zwischen Wiesen, Feldern und Wäldern, aber auch weit entfernt von den Ortschaften entfernt am Hang oder auf den Höhen. Oftmals wurden jedoch die jüdischen Friedhöfe an Orten angelegt, die von den übrigen Menschen gemieden wurden, z.B. an Orten, wo Hinrichtungen stattfanden (so der jüdische Friedhof in Göttingen, der sich in der Nähe der Gerichtslinde befindet).

Anfänglich wurden die Toten auf jüdischen Friedhöfen noch in Richtung Jerusalem bestattet, allerdings änderte sich dies später. In der Zeit der Haskala begann man auch, die Grabsteine auf jüdischen Friedhöfen nicht nur in hebräischer Sprache, sondern auch in der jeweiligen Landessprache zu beschriften. In die Zeit der Haskala (Haskala bedeutet Bildung, Aufklärung und bezeichnet insbesondere die jüdische Aufklärung in der Zeit von 1770 - 1880) fällt auch der Wandel in der Ausprägung der Grabsteine, so wurden für reiche Gemeindeglieder in Angleichung an christliche Tradition pompösere Grabsteine und sogar Mausoleen errichtet. Zahlreiche jüdische Friedhöfe wurden in der Zeit des Nationalsozialismus verwüstet.

Besonderheiten der jüdischen Friedhöfe

Am jüdischen Friedhof in Prag kann man sehen, daß aufgrund beengter Platzverhältnisse mehrere Gräber übereinander liegen.
Am jüdischen Friedhof in Prag kann man sehen, daß aufgrund beengter Platzverhältnisse mehrere Gräber übereinander liegen.

Dem Begriff „Haus der Ewigkeit“ kann man bereits entnehmen, dass nach jüdischer Vorstellung ein jüdisches Grab für die Ewigkeit gedacht ist. Dies hängt mit dem jüdischen Glauben an die Auferstehung der Toten zusammen. Aus diesem Grund werden jüdische Gräber nicht eingeebnet oder die Steine entfernt, sondern sie bleiben stehen wie sie sind. Bei Platzmangel legt man eine Schicht Erde über ein Grab und bestattet einen Toten über dem Anderen. Beim alten jüdischen Friedhof in Prag, auf dem unter anderem der Rabbi Löw bestattet ist, kann man das eindrucksvoll sehen.

Um eine Verunreinigung der Toten mit gärenden, säuernden oder sonstigen Nebenprodukten der Zersetzung zu vermeiden, wird üblicherweise auf Blumenschmuck an jüdischen Gräbern verzichtet. Stattdessen werden kleine Steine auf die Grabplatten gelegt. Oftmals werden diese Steine von Angehörigen, die weit anreisen, aus ihrer jeweiligen Heimat mitgebracht. Auf jüdischen Friedhöfen sind damit Steine von überall auf der Welt zu finden. Die Gräber lässt man im Laufe der Zeit mit Gras oder Efeu überwachsen. Da die Nähe zu den Verstorbenen kultisch unrein macht, ist es Brauch, sich nach dem Besuch eines Friedhofs die Hände zu waschen, ebenso geht man nicht am Schabbat auf einen Friedhof. Für alle (auch nichtjüdische) Männer ist es Pflicht, auf einem jüdischen Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

Grabsteine und Monumente

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts finden sich auf jüdischen Friedhöfen nahezu gleichförmige Grabsteine. Dies lag an der Ansicht, dass im Tode alle Menschen gleich seien. Die ältesten Steine haben nur einfach eckige oder oben leicht abgerundete Formen und tragen nur wenige hebräische Schriftzeichen. Erst mit der Haskala, jüdischer Assimilation und zunehmenden Rechten jüdischer Bürgerinnen und Bürger beginnen die Juden, ebenso prunkvolle Grabstätten zu errichten, wie es von christlichen Friedhöfen dieser Zeit bekannt ist. Um 1750 sind die Steinplatten oft reich verziert und weisen auch verschiedene Symbole aus. Nach 1800 werden die Grabsteine immer größer und passen sich in Art und Form den christlichen Grabmälern an. Je reicher die Gemeinde, desto größer und mächtiger die Steine. Nach 1945 hat diese Tendenz wieder abgenommen.

Symbole auf jüdischen Grabsteinen und Monumenten geben oftmals Aufschluß über den Verstorbenen, seine Rolle in der jüdischen Gemeinde oder sein Leben allgemein. Da die Symbolik auf jüdischen Grabsteinen sehr vielfältig ist, habe ich die einzelnen Symbole auf einer Unterseite entsprechend vorgestellt.



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